Pflanzenheilkunde

29. Juli 2019 von Paolo Zambianchi

Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten zuhause. Das Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben und wird heute der pharmazeutischen Biologie zugeordnet.

Wir nutzen noch heute die Kraft der Pflanzen, um Krankheiten zu heilen, Immunsysteme zu unterstützen oder leckere Tees herzustellen. In diesem Blog möchten wir ihnen ein paar interessante Pflanzen und deren Wesen näherbringen. Viel Spass beim Lesen!

Calendula officinalis

Die Ringelblume fällt durch leuchtend orangen bis gelben Blüten auf. Sie gehört zur Familie der Korbblütler. Die einjährige Pflanze wächst krautig, wird bis 50 cm hoch und blüht durch den ganzen Sommer bis tief in den Herbst hinein. Ihre fleischigen Blätter sind länglich und ungestielt.

Die Früchte der Ringelblume (Achänen) sind sichelförmig, gekrümmt bis geringelt. Daher wurde auch ihr Namen abgeleitet.
Ursprünglich stammt die Ringelbblume aus dem Mittelmeergebiet. Da sie sich rasch verbreitet, kommt sie verwildert in ganz Europa vor.

Wesen der Pflanze

Die Ringelblume besitzt ein äusserst balsamisches und warmes Wesen. Wohl keine andere Pflanze ist so gut auf das Verschliessen von Verwundungen ausgerichtet. Wie die geringelten Früchte der Ringelblume den Blütenboden von aussen nach innen verschliessen, verschliesst die Pflanze auch offene, wunde Stellen im Innern.
Calendula heilt Hautrisse, fördert die Wundheilung und wirkt mit ihrer tröstenden und balsamischen Kraft bis tief in seelische Prozesse hinein.

Verwendete Pflanzenteile

Blüten

Hauptinhaltsstoffe

Flavonoide, Saponine, Bitterstoffe (Calenden), Triterpenoide, Carotinoide
Salicylsäure

Wirkung und mögliche Anwendungsgebiete

Pflückt man die Ringelblume, hinterlässt sie an den Händen ein einzigartiges, klebriges Sekret. Sie ist das Wundheilkraut schlechthin.

  • Schlecht heilende Wunden, Hauteiterungen: entzündungshemmend, keimwidrig, wundheilend
  • Erfrierungen und Verbrennungen der Haut
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Paradontose
  • Augenentzündungen
  • Reguliert die Regelblutung, hilft beim Abgang der Nachgeburt
  • Bei Verlust der psychischen Integrität nach schweren Verletzungen

Gegenanzeigen

Keine

Die Mariendistel – Carduus marianus oder Silybum marianum

Die Mariendistel gehört zur Familie der Korbblütler. Sie ist eine ein- bis zweijährige Pflanze, die bis 1,5m hoch werden kann. Die grünweiss marmorierten Blätter sind gewellt und besitzen einen dornigen Rand.

Carduus ist im heissen und trockenen Gebieten des Mittelmeers heimisch. Die Pflanze wurde und wird oft den Eseln zum Frass überlassen, woher auch der Name „Eselsdistel“ herrührt. Die Blütenköpfe sind violett und werden durch die Stacheln gut geschützt.

Wesen der Pflanze

Fähigkeiten, wie sich gegen emotionale und physische Ausbeutung oder gegen Manipulation und Angriffe angemessen zu Wehr zu setzen, werden durch die Mariendistel gefördert. Wie die Pflanze sich selbst mit ihren Stacheln schützt, schützt sie auch die individuelle Persönlichkeit gegenüber schädigenden psychischen Einflüssen.

Psychische Abwehrschwäche kann sich durch schlechtes Abgrenzen und der Unfähigkeit zum Nein sagen äussern oder aber in einer gesteigerten aggressiven Abgrenzung. Beides schwächt die Leber und führt zu Stauungen und  Störung der Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktion.

Verwendete Pflanzenteile

Reife Samen

Hauptinhaltsstoffe

Silymarin-Gemisch, Flavonoide, fettes Öl

Wirkung und mögliche Anwendungsgebiete

Die Mariendistel gilt als die Pflanze für die Behandlung von Lebererkrankungen und deren Folgen:

  • Therapie und Prophylaxe von Leberschäden, welche durch Lebergifte hervorgerufen werden (Medikamente, Umweltgifte, Mensch: Alkohol)
  • Ausleitung und Entgiftung
  • Akute und chronische Leberentzündung (Hepatitis)
  • Leberzirrhose
  • Durchfall, Verstopfung als Folge von Leberproblemen
  • Antidiabetisch
  • Immunmodulierend
  • Begleitend zu Kopfschmerzen und Migräne
  • Begleitend zur besseren Verträglichkeit einer Chemotherapie (Übelkeit)

Gegenanzeigen

Keine  

Die Artischocke – Cynara scolymus

Die Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler. Sie ist mehrjährig und bildet kräftige, bis zu 2m hohe Stängel aus. Die Blätter sind gross, stark geteilt und schimmern im Licht gräulichen. Ihre Unterseite ist filzig behaart.

Die Blütenköpfe sind blauviolett. Noch bevor diese zu blühen beginnen, können sie geerntet und als Gemüse zubereitet werden. Auch sind die Blütenköpfe sehr beliebt als Dekoration. Ursprünglich stammt die Artischocke aus dem Mittelmeergebiet.

Wesen der Pflanze

Die Artischocke verkörpert das Gleichgewicht zwischen Ausschweifung und Selbstbeschränkung. Sie unterstützt das Individuum, den Ausgleich zwischen diesen Gegensätzen zu finden. Ebenso soll sie die Fähigkeit besitzen, schwere Gedanken anzuheben.

Verwendete Pflanzenteile

Blütenkopf, Blätter, Stängel, Wurzeln

Hauptinhaltsstoffe

Bitterstoffe ,(Cynarin) ätherische Öle, Gerbstoffe, Inulin, Magnesium, Kalium

Wirkung und mögliche Anwendungsgebiete

Die Bitterstoffe fördern v.a. die Verdauungsvorgänge und stimulieren die Umsetzung von Fetten. Daher wir die Pflanze gerade nach, oder noch besser vor, schwerem Essen gerne angewendet.

  • Gallentreibend und leberschützend: bei Gallenkoliken und/oder eingeschränkter Leberfunktion sowie -entzündung; die Artischocke ist neben der Mariendistel eine der wichtigsten Leberpflanze
  • Senkt den Cholesterinspiegel: eignet sich bei Neigung zu Arteriosklerose
  • Senkt den Blutzuckerspiegel durch ihren Inulingehalt
  • Diuretisch, senkt den Harnstoffgehalt im Blut, reinigt das Blut

Gegenanzeigen

Keine

Der Löwenzahn – Taraxacum officinalis

Der Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler. Er wird bis zu 40cm hoch. Die Pflanze ist eine der anpassungsfähigsten und vitalsten Pflanzen. So kann sich ihre Pfahlwurzel auch auf steinigen und harten Böden bis zum Wasser vorarbeiten und die Pflanze trotzt widrigen Umständen wie auf Parkplätzen oder Fusswegen.

Ist sie durch Füsse und Autos ständigem Druck ausgesetzt, wächst sie zu ihrem eigenen Schutz klein und niedrig. Die gezahnten oder gelappten Blätter bilden eine tiefliegende Rosette. Die Blüte erscheint in einem kräftigen Gelb und lässt ganze Wiesen im Frühjahr erstrahlen.

Wesen der Pflanze

Wandlung, Lebenskraft, Anpassungsfähigkeit, Wärme und Fluss der Lebensenergie sind nur einige Stichworte, welche den Löwenzahn beschreiben. Die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit bezieht sich einerseits auf Ideen, Wertvorstellungen und Anschauungen, andererseits aber auch auf die Stoffwechselaktivität (Auf-, Um- und Abbau verschiedenster Stoffe) der Leber. Wird die Anpassungsfähigkeit überschritten, so sind nicht selten Bitterkeit und  Ärger die Folge. Auch wird die Leberfunktion und der Gallenfluss in Mitleidenschaft gezogen. Löwenzahn wirkt dynamisierend auf Wandlungs- und Anpassungsprozesse und löst gleichermassen Stauungen und Erstarrungen in Körper und Geist. Löwenzahn vermittelt neue Lebenskraft.

Verwendete Pflanzenteile

Vorwiegend Blätter und Wurzeln, aber auch Knospen und Blüten finden Anwendung als Arzneimittel

Hauptinhaltsstoffe

Bitterstoffe (Taraxin), Kalium
daneben auch Inulin, Flavonoide, Cumarine, B-Vitamine, Vitamin C

Wirkung und mögliche Anwendungsgebiete

Der Löwenzahn ist eine sehr vielseitig einsetzbare Pflanze. Sie wird oft bei chronischen Prozessen, denen eine gestörte Leberfunktion zugrunde liegt, verwendet. Aber auch in der Behandlung von Nieren-Blasen-Erkrankungen leistet sie gute Dienste.

  • Appetitanregend und verdauungsfördernd, indem es die Sekretion von Magensäften und der Galle anregt
  • Kräftigt und entgiftet die Leber, regt den Stoffwechsel an
  • Harntreibend (daher der französische Name „Piss-en-lit“)
  • Blutreinigend (Gicht, Arthritis, Hautausschläge)
  • Entzündungshemmend
  • krampflösend

Gegenanzeigen

Vorsicht bei Gallensteinen, Verschluss der Gallenwege

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